Das Wichtigste auf einen Blick
Haare werden im Umwelt-Biomonitoring verwendet, weil sie eine langfristige Exposition gegenüber ausgewählten in der Umwelt vorkommenden Elementen widerspiegeln können. Dank ihrer stabilen Struktur und der Möglichkeit, mehrere Elemente gleichzeitig zu bestimmen, findet die Haaranalyse Anwendung in der Toxikologie, Umweltforschung sowie bei der Überwachung der Exposition gegenüber Schwermetallen.
Was ist Umwelt-Biomonitoring?
Umwelt-Biomonitoring ist die Bewertung der Exposition des Menschen gegenüber chemischen Substanzen und Elementen, die in der Umwelt vorhanden sind.
In Biomonitoring-Studien werden verschiedene biologische Materialien verwendet, darunter:
BLUT
URIN
NÄGEL
HAAREZiel des Biomonitorings ist die Analyse des Kontakts des Organismus mit ausgewählten Umweltstoffen wie:
SCHWERMETALLEN
SPURENELEMENTEN
INDUSTRIELLEN SCHADSTOFFEN
TOXISCHEN SUBSTANZEN IN DER UMWELTInternationale Organisationen wie die World Health Organization (WHO), die US EPA oder die Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR) beschreiben Biomonitoring als ein wichtiges Instrument zur Unterstützung der Bewertung der Umweltbelastung von Bevölkerungsgruppen.
Warum werden Haare in Biomonitoring-Studien verwendet?
Haare besitzen mehrere Eigenschaften, die sie zu einem nützlichen biologischen Material in Umwelt- und toxikologischen Untersuchungen machen.
Die wichtigsten davon sind:
- die Möglichkeit der Bewertung einer langfristigen Exposition,
- die einfache Probenentnahme,
- die Nicht-Invasivität,
- die Stabilität des Materials,
- die Möglichkeit, mehrere Elemente gleichzeitig zu bestimmen.
Während des Haarwachstums können verschiedene im Organismus und in der Umwelt vorhandene Elemente in die Haarstruktur eingebaut werden.
Da Haare durchschnittlich etwa 1 cm pro Monat wachsen, kann ein Haarsegment die Exposition über mehrere Wochen oder Monate widerspiegeln.
Haare und Blutuntersuchungen — unterschiedliche „Zeitfenster“
Einer der Gründe für die Verwendung von Haaren im Biomonitoring ist der Unterschied zwischen Haaren und Blut hinsichtlich des Zeitraums der abgebildeten Exposition.
BLUTUNTERSUCHUNGEN
- zeigen den aktuellen Zustand des Organismus,
- spiegeln kurzfristige Veränderungen wider,
- unterliegen homöostatischen Mechanismen.
HAARE
- können langfristige Trends widerspiegeln,
- ermöglichen die Analyse einer Exposition über einen längeren Zeitraum,
- sind weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen.
Deshalb werden Haare in der Umwelttoxikologie manchmal als ergänzendes Material zu anderen Biomonitoring-Methoden verwendet.
Welche Elemente können im Haar bestimmt werden?
In der Haarmineralanalyse werden sowohl:
- Nährstoffe,
- Spurenelemente,
- ausgewählte potenziell toxische Elemente bestimmt.

Zu den am häufigsten analysierten Elementen gehören:
- Zink,
- Magnesium,
- Kalzium,
- Selen,
- Eisen,
- Kupfer,
- Arsen,
- Quecksilber,
- Cadmium,
- Blei.
Der Umfang der Bestimmungen hängt von der verwendeten Labormethode und den Laborverfahren ab.
Verwendung von Haaren in der Umwelttoxikologie
In der Umwelttoxikologie wird die Haaranalyse unter anderem verwendet:
- zur Bewertung beruflicher Exposition,
- in Bevölkerungsstudien,
- bei der Analyse von Umweltbelastungen,
- in epidemiologischen Projekten,
- zur Überwachung der Exposition gegenüber Schwermetallen.
Haare sind besonders nützlich bei der Bewertung chronischer Expositionen, da sie Elemente über längere Zeit akkumulieren können.
Aus diesem Grund wurde die Haaranalyse in zahlreichen Studien zu folgenden Elementen eingesetzt:
- Quecksilber,
- Arsen,
- Blei,
- Cadmium.
Bedeutung der Labormethoden
Die Zuverlässigkeit von Biomonitoring-Ergebnissen hängt von der Qualität des Laborprozesses ab.
Bei der Haaranalyse sind insbesondere wichtig:
- die Art der Probenentnahme,
- Waschverfahren des Materials,
- Probenvorbereitung,
- Gerätekalibrierung,
- Methodenvalidierung,
- Qualitätssicherungssysteme.
Zu den am häufigsten verwendeten Analysetechniken gehören:
- ICP-OES,
- ICP-MS.
Diese Methoden ermöglichen die gleichzeitige Bestimmung vieler Elemente bei hoher analytischer Sensitivität.
Warum ist Standardisierung so wichtig?
Haare sind ein Material, das anfällig für äußere Einflüsse ist.
Das Ergebnis kann beeinflusst werden durch:
- Kosmetika,
- Haarfärbung,
- Umweltkontaminationen,
- die Art der Probenentnahme,
- die Länge des analysierten Haares.
Deshalb ist in Biomonitoring-Studien die Standardisierung von großer Bedeutung, insbesondere bei:
- der Probenentnahme,
- dem Waschen des Materials,
- der Haarlänge,
- den Laborverfahren.
Ohne eine angemessene Standardisierung können Ergebnisse zwischen Laboren schwer vergleichbar sein.
HTMA als Biomonitoring-Instrument
Die Hair Tissue Mineral Analysis (HTMA) wird als Methode zur Bestimmung der elementaren Zusammensetzung von Haaren verwendet.
In der Praxis kann HTMA dienen zur:
- Beobachtung mineralischer Trends,
- Analyse der Umweltbelastung,
- Überwachung von Veränderungen im Zeitverlauf,
- Bewertung der langfristigen Exposition gegenüber ausgewählten Elementen.
Es sollte jedoch betont werden, dass:
- HTMA kein diagnostischer Test für Krankheiten ist,
- die Ergebnisse eine vorsichtige Interpretation erfordern,
- die Haaranalyse keine medizinische Diagnostik ersetzt.
Praktische Aspekte der Interpretation von HTMA-Ergebnissen werden ausführlicher in den Bildungsmaterialien von LifelineDiag beschrieben.
Die Rolle der Laborqualität
Im Umwelt-Biomonitoring ist die Erfahrung des Labors im Umgang mit biologischem Material von entscheidender Bedeutung.
Ein zuverlässiges Labor sollte anwenden:
- validierte Verfahren,
- Qualitätssicherung,
- regelmäßige Gerätekalibrierung,
- standardisierte Protokolle zur Probenvorbereitung.
In Laboren, die Haaranalysen durchführen, ist außerdem die Kenntnis der Besonderheiten biologischen Materials sowie der interpretativen Grenzen wichtig.
Informationen zur Probenentnahme und Interpretation der Ergebnisse sind im Wissenszentrum von LifelineDiag verfügbar.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Weil sie eine langfristige Exposition gegenüber ausgewählten Elementen und Umweltstoffen widerspiegeln können.
Nein. Haare und Blut liefern unterschiedliche Informationen und haben unterschiedliche Anwendungen im Biomonitoring.
Nein. HTMA ist ein Instrument des Biomonitorings und der Beobachtung mineralischer Trends, jedoch kein diagnostischer Test für Krankheiten.
- die Art der Probenvorbereitung,
- Laborverfahren,
- die verwendete Analysemethode,
- Standards der Qualitätssicherung.
Zusammenfassung
Haare sind ein wichtiges biologisches Material, das im Umwelt-Biomonitoring und in der Toxikologie verwendet wird.
Ihre Bedeutung ergibt sich unter anderem aus:
- der Möglichkeit zur Bewertung langfristiger Exposition,
- der einfachen und nicht-invasiven Probenentnahme,
- der Stabilität des Materials,
- der Möglichkeit, mehrere Elemente gleichzeitig zu bestimmen.
Gleichzeitig hängt die Zuverlässigkeit der Ergebnisse ab von:
- der Qualität der Laborverfahren,
- der Standardisierung der Probenvorbereitung,
- der Qualitätssicherung,
- einer verantwortungsvollen Interpretation.
Daher sollte die Haaranalyse als Instrument des Biomonitorings und der Bewertung von Umweltbelastungen betrachtet werden und nicht als eigenständige diagnostische Methode.
Literaturverzeichnis
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- ATSDR. Toxicological Profile and Environmental Biomonitoring Guidance.
- Seidel S et al. Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis. JAMA.
- Bass DA et al. Trace element analysis in hair: Factors determining accuracy, precision and reliability. Biological Trace Element Research.
Die Haarmineralanalyse (HTMA) ist ein funktionelles und edukatives Instrument. Sie ersetzt weder die medizinische Diagnostik noch eine ärztliche Beratung.